PASSE-AVANT
The Shining
Hilton Hotel, Mainz
15–12–2016
Recommendation by Carina Bukuts
Hilton Hotel Hallway. Courtesy: Robin Stretz

Es gab vor kurzem außerhalb der Grundschulzeit wenige Bewertungssysteme, die Sterne als Währung benutzen. Nur der Hotelbetrieb hat diese Beurteilung schon immer vollzogen, sodass sogar Facebook und viele weitere Plattformen nachzogen. Einen Ort, den man besucht hat – sei es ein Museum, ein Restaurant oder ein Schwimmbad kann man inzwischen auf einer Skala von 1 bis 5 Sternen entsprechend der eigenen Zufriedenheit geben. Mehr noch: Markiert man in seinen Beiträgen, dass man sich an einem Ort befand, so fordert Facebook selbst dazu auf, diesen doch zu bewerten. Wie zuvorkommend. Interessant ist hierbei, dass Facebook sich aber nicht von seinem Grundbewertungssystem des „Gefällt mir“-Daumen distanzierte, sondern eigens für Orte das System der Hotels aufgriff. Obwohl vermutlich jeder bereits die Erfahrung im Ausland gemacht hat, dass dieses System nicht so aussagekräftig ist wie es scheinen mag, orientierte man sich daran. Das Hotel als Inbegriff eines Ortes.

Die Varianz an Unterbringungsmöglichkeiten ist heute überwältigend. Die meisten jungen Menschen übernachten mit Vorliebe in preiswerten airbnb-Wohnungen und schätzen die Nähe zum Gastgeber, der ihnen noch local Tipps für ihren Aufenthalt geben kann. Das Hotel scheint dahingegen ein veraltetes Modell darzustellen oder nur die Personen anzusprechen, die es sich auch leisten können. Mit dem Hotel verbinden wir in unserer ersten Assoziation nämlich nicht die Bruchbude, die wir uns schöner vorgestellt haben, sondern ein schickes Zimmer mit Kingsize Bett, einer kleinen Minibar und einem schönen Ausblick. Insbesondere weltweite Hotelketten trugen zu diesem standardisierten Bild bei, welches wir uns ins Gedächtnis gebrannt haben. Ein Sinnbild der Anonymität. So erfährt es auch der Hotelgast, der sich für wenige Nächte an diesem Ort einnistet und nie gänzlich an diesem ankommen wird, da der Aufenthalt zeitlich begrenzt ist. Werbeslogans suggerieren maximalen Komfort oder ein „Zuhause“-Gefühl. Letztlich ist dies aber nur Illusion.

Ein anderes Format, welches einem Ablaufdatum ausgeliefert ist, ist die Ausstellung. In Museen herrscht der Druck pro Quartal mindestens eine Ausstellung zu zeigen und Off-Spaces gehen zu dem Trend über nur für ein Wochenende oder gar für einen Abend geöffnet sein. Was passiert, wenn man diese beiden Formen der zeitlichen Begrenzung miteinander in Verbindung setzt?

Die Ausstellung Meet Me at the Hotel Room, die am Freitag im Hilton City Hotel in Mainz eröffnet, wird genau dies untersuchen. Die gezeigten Arbeiten werden nicht nur auf diese Komponente eingehen, sondern sich auch mit den räumlichen Besonderheiten des Hotelzimmers auseinandersetzen. Die Zimmernummer 401 gehört noch das ganze Wochenende den Arbeiten von Simone Eisele, Yun Heo und Robin Stretz und wer die Ausstellung besuchen muss, macht es allen anderen Hotelbesuchern gleich und holt sich die Zimmerkarte an der Rezeption in der Lobby ab. Wir hoffen auf eine 5 Sterne Bewertung.

Meet Me at the Hotel Room
16. - 18. Dezember 2016

artists
Simone Eisele, Yun Heo, Robin Stretz

Hilton City Hotel Mainz
Münsterstraße 11
55116 Mainz